Auf dem Museumsschiff in Tutzing, 7. Juni 15

Leidenschaft an Deck

Die Gruppe Šuk Schirim spielt auf dem Museumsschiff Musik der Sinti und Roma, Klezmer und Jazz

Tutzing - Es war ein fulminanter Einstieg ins diesjährige Musik- und Kabarettprogramm auf dem Museumsschiff Tutzing. Zum Glück hat der 78 jahre alte Dampfer den Winter gut überstanden, auch wenn die Holzbeplankung der Decks eine Erneuerung bräuchte, so der Vorsitzende des Betreibervereins, Matthiaas Helbig. Das muss erst einmal finanziell gestemmt werden. Für die Sontagsmatineen Eintritt zu verlangen, ist allerdings bisher nicht geplant. So bleibt die Hoffnung auf Spenden, also auf die Solidarität der Besucher, die sich an diesem heißen Sonntag so zahlreich eingefunden hatten, dass kein Stehplatz übrig blieb. Der Zulauf hatte mit dem Heimspiel der, über Maxim Purkert in Tutzing angesiedelten, Kapelle Šuk Schirim zu tun, aber auch mit dem spannenden musikalischen Kontext im Repertoire der Formation. Ganz zu schweigen von der ihm immanenten Leidenschaft, die den meisten aus dem Film "Schwarze Katze, weißer Kater" bekannt sein dürfte.

Der Name ist Programm: das Romawort Šuk bedeutet schön, Schirim heißt im Jiddischen bzw. Hebräisch Gesang. Damit ist nicht nur die Vielseitigkeit und sprachliche Grenzüberschreitung bezeichnet, sondern auch die entsprechende Region angedeutet. Im Fokus des Quintetts, das auf der Tutzing mit dem Geiger Gabriel Chihaia zum ersten Mal eine zum Sextett erweiterte Besetzung erprobte, stand Musik der Balkanregion, des Klezmer sowie der osteuropäischen Sinti und Roma, die auch bruchlos in Jazz übergehen kann. Dem Asatz entspricht die internationale besetzung der Formation (Rumänien, Ungarn, Türkei und Bayern). Hinter der vitalen Sängerin Shoshanna Blumenfeld, die gewandt zwischen den vielen Sprachen wechselte, stand denn auch ein breites Instrumentarium zur Verfügung. Gabor Varga (Schlagzeug, Darbuka) sorgte für rhythmische Prägnanz, was dem tänzerischen Charakter der Musik zugute kam. Maxim Purkert stützte an der Gitarre mit Drive den soliden Unterbau und gab vor allem der Musik der Sinti und Roma die spezifische Färbung. Wenn all  die Kulturkreise der verschiedenen Regionen auf ein Instrument kaum verzichten können, dann ist es die Klarinette, die Constantin Maceasa singen ließ. Haluk Sirin erwies sich als Mann für alle Fälle, der am E-Piano schon mal das Cymbal-, Akkordeon- oder Kontrabassregister zog, um zu ergänzen, was an Klangvarianten noch nötig war.

Bei der Vielfalt blieb das Repertoire im Kern einheitlich, was erstaunliche kulturelle Bezüge bis hin zu orientalischen Einflüssen offenbarte. Vor allem die erzählerische Art der Liedtexte, die den Zuhörern übersetzt wurden, und ihre rapsodisch-ausdrucksstarke Verarbeitung verwiesen auf vergleichbare Auffassungen, obwohl die Inhalte Kulturspezifisches vermittelten. So etwa die Vorfreude des werdedn Schwiegervaters darüber, dass wieder ein junges Mädchen ins Haus kommt, in "Amarisi Amari" der Roma. Oder im Klezmer "Ich Hob Dir Zufil Lib", der in nostalgischer Färbung eines Tango allzugroße Liebe infrage stellt. Besonders eindrucksvoll erklangen die melancholischen Lieder, wenn die Instrumentalisten Blumenfeld im mehrstimmigen Gesangschor begleiteten.. Für die Jazzvariante eigneten sich die Stücke des deutschen Sinto Schnuckenack Reinhardt am besten, sind sie doch Perlen des sogenannten Zigeunerjazz. Die Romahymne "Djelem, Djelem" setzte eidrucksvoll den Schlusspunkt.                                                                                                                         

Reinhard Palmer, SZ Nr. 129, Starnberger Teil, vom Di., den 9. Juni 2015

Musikalische Bildungsreise

 

Die Gruppe Šuk Schirim spielt im Bernrieder Schloss auf.

Im Schloss Höhenried finden unter anderem Hochzeiten und Konzerte Statt. Ein solches gab an Neujahr die Tutzinger Klezmer- und Balkanmusikgruppe Šuk Schirim, was auf Deutsch soviel wie „schönes Lied“ bedeutet. Der Name ist Programm: Sie spielen Folklore aus dem östlichen Kulturraum, von Osteuropa über den Nahen Osten bis zur Türkei......

zum Mitschunkeln einladende Accelerandos.....jiddische Klasiker im Tango Stil....

..in den Instrumentalparts....werden die Qualitäten der Musiker hörbar....

...eine kulturelle Bildungsreise. Im voll besetzten Saal gab es viel Applaus.

SZ 5./6. Januar 2016, Berthold Schindler

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Klezmer-, Balkan- und Romamusik