Šuk Schirim

Es war einmal ein Mädchen namens Shoshanna. Sie lebte in einer kleinen Stadt auf dem Lande. In ihrer Kindheit waren eines Tages fahrende Musikanten durch den Ort gezogen. Sie hatten ein Lied gespielt, das ihr fortan nicht mehr aus dem Kopfe ging. Die Melodie klang weiter in ihrem Herzen und erfüllte bald den ganzen Raum, um sie herum. Tag und Nacht hörte sie das Lied.

Später heiratete sie, bekam Kinder und das Leben nahm sie ganz in Anspruch. Die Melodie wurde leiser und leiser und irgendwann war sie nur noch eine vage Erinnerung. Die Kinder wuchsen heran und begannen ihre eigenen Wege zu gehen. Als sie einmal in der Nähe der Bahngleise Blumen pflückte, fuhr ein Zug, mit vielen bunt gekleideten Menschen vorbei. Auf einmal war sie wieder da: die Melodie. Sie wehte aus einem der geöffneten Zugfenster und breitete sich aus, über die Wiesen und Felder.

Wie magisch folgte sie dem Zug, der langsam weiter fuhr. Sie begann auf den Gleisen hinter ihm herzulaufen, ohne zu wissen wohin. Sie lief und lief, bis sie in einer größeren Stadt anlangte. Vor einem verfallenen Bahnhofsgebäude stand ein Mann mit einem großen Hut, der einen mitreißenden Rhythmus auf seinen Trommeln spielte, den sie gleich wieder erkannte. Sie stellte sich zu ihm und summte eine Melodie. Kurz darauf gesellte sich ein weiter Musikant, mit Sonnenbrille und Klarinette hinzu und stimmte ein; Shoshanna begann zu singen. Angezogen von den Klängen mischten sich, mit einem Mal ein Akkordeon darunter und die Melodie begann zu fliegen. Da kam ein Mann mit einer Domra des Weges und unvermittelt war das Lied ihrer Kindheit wieder erstanden.

Obwohl die Musiker aus vielen verschiedenen Ländern kamen und nicht die gleichen Sprachen verstanden, hatten sie doch die Melodie und das Lied, als eine universelle Sprache. Sie bestiegen einen Zug, der aufgehenden Sonne entgegen und das schöne Lied (Šuk Schirim) begleitete sie. Fortan zogen sie gemeinsam durch die Lande und erfreuten die Menschen mit ihrer Musik und ihren Geschichten und der ewigen Melodie.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann spielen und singen sie noch heute.

 

 

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